Warum die Bundesliga wieder loslegen darf... und muss! - Tristans Nachspielzeit

Veröffentlicht am 13.05.2020 in Allgemein

Diese Woche startet eine neue Kolumne mit dem Namen "Tristans Nachspielzeit". Unser SPD Kreisvorsitzender und bekennender SC Freiburgfan Tristan Werner wird darin in unregelmäßigen Abständen aktuelle Ereignisse aus Politik und Gesellschaft zugespitzt und humorvoll kommentieren. Dabei zeigt er klare Kante, will provozieren und zur Diskussion anregen. In dieser Woche geht es um den Start der Bundesliga. Unser Autor findet es nämlich richtig, dass die Liga endlich wieder losgeht. Also Feuer frei ;-) 

Nun ist es endlich wieder soweit - Die Bundesliga geht wieder los 

Nun ist es am kommenden Wochenende also soweit...nach langem Für und Wider, nach Erarbeitung eines umfangreichen Hygiene-und Schutzkonzeptes, nach dem grünen Licht durch die große Politik nehmen erste und zweite Fussballbundesliga wieder den Spielbetrieb auf. Und natürlich kommt es zu erwartender Kritik. Die kickenden Multimillionäre seien ja wohl die letzten die des Schutzes des Staates bedürften, es sei doch unzumutbar dringend benötigte Testkapazitäten für die Bundesligisten zu reservieren, wo sie anderenorts viel dringender benötigt würden. Und überhaupt Brot und Spiele seien ja wohl das Letzte, um das sich die Politik kümmern sollte. Lest jetzt hier weiter! 

Aber stimmt das überhaupt? Oder kann und darf man das auch anders sehen?

Eins vorab: Als glühender Anhänger und Mitglied des SC Freiburg (Sorry an alle FCK-affinen Genossinen und Genossen, ich gönne euch jeden Erfolg, aber bei mir heisst es: Hier regiert der SCF!) bin ich sicher nicht ganz objektiv. Ich richte meinen Terminkalender nicht nach Fussballspielen und mir ist bewusst, dass es Wichtigeres gibt im Leben als das runde Leder. Aber mir geht es wie vielen Tausenden anderen in der Republik, wenn der Ball nicht rollt, dann fehlt etwas.

Ich freue mich, dass es wieder losgeht

Insofern freue ich mich, dass es wieder losgeht. Aber es gibt dennoch viele Stimmen die eine unzulässige Sonderbehandlung der DFL sehen oder sich generell am Neustart der Bundesliga stören. Neben vornehmlich der Befriedigung des eigenen Aufmerksamkeitstriebs dienenden Äußerungen wie vom Genossen Karl Lauterbach (sorry Karl, bei allem nötigen Respekt, aber selbst ein Blinder erkennt da ein Muster...) gibt es auch seriöse und ernstzunehmende Bedenken. Man kann, man muss sich mit diesen auseinander setzen.

Auch Profifußballer haben ein Recht ihren Beruf auszuüben

Wir befinden uns in einer Phase der Pandemie in der zu Recht darüber geredet wird, wie wir in möglichst allen Lebensbereichen wieder eine schrittweise Rückkehr in die Normalität unter Wahrung gewisser Sicherheitsmaßnahmen gewährleisten können. Entsprechendes kann und muss dann auch im Fussball gelten. Nichts Anderes als in vielen anderen Lebens- und Wirtschaftsbereichen geschieht gerade im Profifussball: Es werden Hygienekonzepte erarbeitet, auf deren Grundlage die Politik eine schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb für möglich hält. Ganz ähnlich wie bei den Schulen, in der Gastronomie oder anderswo. Am Fussball hängen in Deutschland nachweislich 56.000 Arbeitsplätze, für viele ist er identifkationsstiftend wie kaum etwas anderes. Es ist also richtig, dass man sich auch hier Gedanken macht. Auch Profifussballer und Bedienstete von Vereinen und Verbänden haben ein grundrechtlich geschütztes Recht ihren Beruf auszuüben, wie alle anderen auch. Dies möglich zu machen, ist Verpflichtung der Politik, im Fussball wie in anderen Lebensbereichen. Es darf keine Sonderrolle, aber auch keine Benachteiligung geben. Und allein das Argument, dass im Fussball viel, sicher auch zu viel Geld umgesetzt wird, kann ja letztlich nicht ausschlaggebend sein. Das man es dann diesen Menschen eher "gönnt" ihrem Job nicht nachgehen zu gönnen, ist letztlich Schadenfreude und damit menschlich, aber kein besonders ernst zu nehmendes Argument.

Die DFL hat ihre Hausaufgaben gemacht!

Natürlich gibt es andere Bereiche, die ebenfalls gerne wieder loslegen würden. Jeder Einzelne der seiner Tätigkeit und seinem Gewerbe nicht nachgehen kann, ist sicher einer zuviel. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die DFL schnell und umfassend ihre Hausaufgaben gemacht hat. Umfangreiche, von Experten befürwortete Hygieneregelungen erarbeitet hat, die das Infektionsrisiko siginfikant verringern. Mit einem geschlossenen Testsystem für den Ernstfall Infektionsketten nachvollziehbar macht und weitere Infektionen möglichst verhindert. Überhaupt die Versorgung mit Corona-Tests: Was wurde nicht alles gemutmaßt wem die Fussballer nun die Tests wegnehmen könnten. Bis der Geschäftsführer des Berufsverband der Akkreditierten Labore in der Medizin verlautbaren ließ, die Kapazitäten seien nicht ausgelastet, Tests mithin kein Problem. Nach deren Berechnungen würden 20.000 Tests bis zum Ende der Bundesligasaison benötigt. Bei einer Kapazität von 730.000 Tests - pro Woche wohlgemerkt.

... wem tut der Neustart weh?

Sicherlich ist es legitim darüber zu diskutieren ob in Deutschland nicht mehr Menschen getestet werden sollen, wie es mit der dahingehenden Kostentragungsregelung aussieht, ob die Kriterien für einen Test vlt nicht zu streng sind. Aber sind das wirklich Diskussionen die zwingend anhand des Profifussballs durch dekliniert werden müssen ? Und wenn der Profisport niemand die Tests weg nimmt....wem tut der Neustart dann weh? Eine Entscheidung die den Menschen mit Interesse am Fussball etwas gibt, aber letztlich niemand etwas wegnimmt, sollte doch nicht so schwerfallen.

Die Politik muss auch in anderen Lebensbereichen für den Schritt in die Normalität sorgen

Sicher lässt sich darüber streiten, ob ausgerechnet der Fussball eine der ersten Branchen sein muss die wieder loslegt. Deswegen darf die Politik es auch nicht versäumen, auch in anderen Lebensbereichen für Konzepte und den Schritt zurück in die Normalität zu sorgen, allen voran sicherlich im Bereich der Kitas wo sich Millionen Eltern nach Entlastung sehnen und die Kinder ihre Erzieherinnen und Freunde vermissen.

Die zeitlose Magie des Spiels hat der Kommerz dem Fussball zum Glück (noch) nicht nehmen können

Und klar im Fussball läuft vieles schief. Sind 222 Mio. € Ablöse für einen Kicker noch irgendwie zu rechtfertigen? Nein auf keinen Fall. Sind Montagsspiele kommerzialisierter Unsinn der die Fans, die diesen Sport lieben, völlig ignoriert? Na klar doch. Sind die neureichen Spieler mit Ihren protzigen instagram-Accounts und goldenen Steaks ein gutes Vorbild für die Jugend? Absolut nicht. Muss die Debatte über den Salary-Cap nach der Krise ernsthaft geführt werden? Aber Hallo! Der Fussball ist sicher weit davon entfernt ein System ohne Fehler zu sein. Wie in allen Bereichen deckt die Pandemie die Schwachstellen im Status Quo schonungslos auf. Diese müssen nach der Krise auch konsequent angegangen werden. Aber der Fussball ist nicht die einzige Baustelle bei der man das Geschäftsmodell kritisch hinterfragen darf. Und wenn wir all jenen Sektoren den Neustart verweigern in denen die Krise schwere Versäumnisse aufgedeckt hat, wage ich zu prognostizieren, dass dieser Neustart sehr, sehr moderat ausfallen würde. Und bei aller berechtigter Kritik: Die zeitlose Magie des Spiels hat der Kommerz dem Fussball zum Glück (noch) nicht nehmen können!

90 Minuten sind verdammt gut für die Seele! 

Schwer zu vermitteln finde aber auch ich es, dass bei den ebenfalls mit ganz viel Herzblut bei der Sache befindlichen Amateurkickern die Saisons abgebrochen werden und auch der begeisterte Nachwuchs wegen Corona nicht an den Ball treten darf, die Profis aber schon. Mir ist schon klar, dass im Profibereich die Hygienevorschriften besser einzuhalten, problematisch ist die Differenzierung aber trotzdem. Nichts desto trotz freue ich mich wenn es wieder losgeht. Wir haben lange genug ausschließlich über Infektionsketten, Maskenpflicht und Fallzahlentwicklung gesprochen. Es wird Zeit dass wir auch wieder über strittige Schiedsrichterentscheidungen, tolle Dribblings und Elfmetertore in der Nachspielzeit diskutieren ! Für 90 Minuten ist dann wieder alleine entscheidend "auf'em Platz" und alles andere egal. Klar mag das Eskapismus sein, aber der ist verdammt gut für die Seele! Und das ist wichtig, gerade in Zeiten wie diesen. Wer den Fussball liebt, der weiß wovon ich spreche.

 
 

Kommentare

Neue Kommentare erscheinen nicht sofort. Sie werden von der Redaktion freigegeben. Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

Die Trackback-URL ist die Adresse dieser Seite.

Kommentar eingeben


Speichern

Keine Kommentare vorhanden

Facebook

Auch in Corona Zeiten immer ansprechbar!

Auch in diesen schwierigen Coronazeiten ist die Donnersberger SPD und unsere Abgeordneten jederzeit ansprechbar. Bei Fragen und Problemen helfen wir gerne weiter! 

SPD Geschäftsstelle:

Montags und Donnerstags von 10-16 Uhr

Telefon: 06361 1311 E-Mail:

ub.donnersbergkreis@spd.de

 

Jaqueline Rauschkolb, MdL

Wochentags von 10-16 Uhr

Telefon: 0152-07654256

E-Mail: wahlkreis@jaquelinerauschkolb.de

 

Gustav Herzog, MdB

Montags und Donnerstags von 10-16 Uhr

Telefon: 06361 1320

E-Mail: gustav.herzog.wk@bundestag.de

Counter

Besucher:1390825
Heute:38
Online:3